„Would you …?“: „Conditional“ und Konjunktiv

„Conditional“ I und II gibt es im Deutschen nicht – wir übersetzen diese englischen Formen meist mit dem Konjunktiv. Aber welche englische Form entspricht welcher deutschen? Und welche Rolle spielt der englische „Subjunctive“ dabei? Antworten auf diese Fragen und Beispiele finden Sie hier.


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Youth would be an ideal state if it came a little later in life.

Herbert Henry Asquith, former British Prime Minister (1852–1928)

Im Englischen gibt es einen Konjunktiv, den „Subjunctive“ – aber er steht keineswegs überall dort, wo wir im Deutschen den Konjunktiv setzen. Vielmehr entspricht der deutsche Konjunktiv in den meisten Fällen dem englischen „Conditional“.

Den „Conditional“ richtig einsetzen

Wir setzen den „Conditional“ gern vereinfachend mit dem Konjunktiv gleich. Tatsächlich ist es aber eine grundsätzlich andere grammatische Kategorie. Das zeigt sich auch in den deutschen Entsprechungen für die verschiedenen Verwendungen des „Conditionals“. Da hilft nur: Lernen! Zum Beispiel mit der Übersicht, die wir Ihnen unten vorbereitet haben.

„Conditional I“

Hauptsächlich kennen wir den „Conditional I“ aus Satzkonstruktionen mit if-Sätzen des Typs 2, in denen eine unwahrscheinliche Bedingung ausgedrückt wird:

  • If it snowed, we would leave the car behind and walk.

Ebenso wichtig, vor allem, wenn es ums Protokollschreiben geht, ist der Einsatz des „Conditional I“ in der indirekten Rede. Er ersetzt dort das Futur I aus der direkten Rede:

  • He said, „I‘ll come.“ ? He said that he‘d come.

Und schließlich beschreibt man mit dem „Conditional I“ auch ein typisches Verhalten in der Vergangenheit (das wirkt auf Deutschsprachige besonders ungewöhnlich):

Die Formen von „Conditional“ I und II 

Conditional I  Beispiele Conditional II Beispiele
Simple „would (not)“ + Infinitiv He wouldn‘t agree. Would he agree?  „would (not) have“ + Partizip (3. Verbform) He wouldn‘t have agreed. Would he have agreed?
Progressive  „would (not)“ + Verlaufsform des Verbs She would be dancing. Would she be dancing? „would (not) have been“ + Verlaufsform des Verbs She would have been dancing. Would she have been dancing?
  • In the sixties she wouldn‘t wear a dress. (In den Sechzigern hätte sie niemals ein Kleid getragen.)

 

„Conditional II“

Bei einer Satzkonstruktion mit einem if-Satz des Typs 3, in der eine unmögliche Bedingung ausgedrückt wird, steht der „Conditional“ II:

  • If it had snowed, we would have left the car behind and have walked.

In der indirekten Rede ersetzt der „Conditional II“ das Futur II aus der direkten Rede:

  • She said, „I‘ll have danced by then.“ ? She said that she would have danced by then.

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If I had only known, I would have been a locksmith.

Albert Einstein (1879–1955)

Der „Subjunctive“

Abgesehen vom „Conditional“ gibt es im Englischen noch den „Subjunctive“. Er ist quasi der „echte Konjunktiv“ – wird aber im Deutschen leider nicht immer mit dem Konjunktiv übersetzt …

Im Zusammenhang mit if-Sätzen finden wir ihn nur in Fällen wie diesem:

  • If I were you …

Ansonsten ist der „Subjunctive“ formal meist gar nicht zu erkennen: Er stimmt in der Regel mit der Indikativform des Verbs überein. Die wenigen Unterschiede:

1. In der 3. Person wird kein -s angehängt.

2. Das Verb „be“ bleibt im „Present Tense“ immer unverändert „be“, im „Past Tense“ erscheint es durchgehend als „were“.

In feststehenden Ausdrücken

Praktisch findet man den „Subjunctive“ vor allem in feststehenden Ausdrücken wie:

  • God save the Queen!
  • Be that as it may. (Wie dem auch sei.)

„Mandative Subjunctive“

Eine besondere Form ist der „Mandative Subjunctive“. Er wird in „that“-Sätzen nach bestimmten Verben und Adjektiven verwendet, zum Beispiel „insist, demand, suggest“ oder „essential, important, vital“, zum Beispiel:

  • He suggested that they be at the station an hour early.
  • It is vital that everyone sign personally.

Insider tip from your British editor Maureen Brown

Sentences like these are considered quite formal. Most of the time, the subjunctive is substituted by an auxiliary verb like “should, would“, e.g. “He suggested that they’d be at the station an hour early.“ Or it is substituted by the indicative form, e.g. „It is vital that everyone signs personally.“ 

„Subjunctive“ vs. Indikativ

Manchmal macht es aber einen großen Unterschied, ob man den „Subjunctive“ oder den Indikativ verwendet, wie das folgende Beispiel zeigt:

  • She insisted that he be home at eight. ? Sie bestand darauf, dass er um acht zu Hause war. (Forderung)
  • She insisted that he was home at eight. ? Sie hielt an ihrer Aussage fest, dass er um acht zu Hause gewesen sei. (Feststellung)

Exercise: „Conditional“ oder „ Subjunctive“?

Nach so viel Theorie folgt jetzt die Praxis. Bitte wenden Sie das eben Gelernte auf die folgenden Beispielsätze an: Schließen Sie die Lücken mit den richtigen „Conditional„- oder „Subjunctive“-Formen.

1. She said that she :::: (finish) the report if she had the time.
2. Long :_ (live) the Queen!
3. If I hadn‘t been so ill, I :::: (be dancing) all night.
4. He insisted that his former wife ::_ (not be) present.
5. As a child, he ::: (not drink) any milk at all.
6. If I :__ (be) you, I ::___ (take) the money and run.

Vocabulary Box
earthworm           – Regenwurm
locksmith             – Schlosser/-in
auxiliary verb       – Hilfsverb
insist on sth.       – auf etwas bestehen, beharren
vital                        – entscheidend

Answer key exercise: “Conditional” oder „Subjunctive“?

1. She said that she would finish the report if she had the time. 2. Long live the Queen! 3. If I hadn’t been so ill, I would have been dancing all night. 4. He insisted that his former wife (should) not be present. 5. As a child, he wouldn’t drink any milk at all. 6. If I were you, I’d take the money and run.

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