Wie gehen Sie mit Ihren Expats um?

Für gewisse Zeit im Ausland zu arbeiten ist für viele Menschen ein Wunschtraum. – In einem global tätigen Unternehmen dürfte sich die Gelegenheit dazu bieten. Beschäftigen auch Sie Mitarbeiter aus dem Ausland in Ihrer Abteilung? Lesen Sie hier, mit welchen Schwierigkeiten „Expats“ zu kämpfen haben.

Wenn Sie sich in die besondere Situation eines Mitarbeiters aus dem Ausland hineinversetzen, dann erkennen Sie schnell Ansatzpunkte, wie Sie ihm die Integration erleichtern können. Die Firma hilft in der Regel bei der Wohnungssuche, dem Umzug und den Formalitäten. Aber damit ist noch nichts für ein rasches Einleben getan.

Ist ein Aufenthalt gut vorbereitet und durchgeführt worden, kann er als große persönliche und berufliche Bereicherung erlebt werden. Ihr Unternehmen kann viel dazu beitragen, dass Mitarbeiter aus dem Ausland sich wohlfühlen.

Vorbereitung

Es gibt Menschen, die von einem längeren Auslandsaufenthalt mit den gleichen Vorurteilen über die Gastkultur zurückkommen, die sie schon bei ihrer Abreise hatten. Diese Vorurteile werden im Ausland manchmal sogar noch bestätigt und verstärkt. Natürlich macht dann das Leben und Arbeiten im fremden Land überhaupt keinen Spaß.


Praxis-Tipp


Helfen Sie Ihren ausländischen Mitarbeitern, sich ausgiebig mit der neuen Kultur zu befassen. Empfehlen oder schenken Sie ihnen Bücher und fördern Sie die Begegnung mit Landsleuten, die schon länger in Deutschland sind. Damit beugen Sie vielen frustrierenden Erlebnissen vor. Häufig werden professionelle Auslandsvorbereitungstrainings vom Arbeitgeber angeboten. Ermuntern Sie die Mitarbeiter, diese Gelegenheit unbedingt wahrzunehmen.

Häufig scheitern Auslandsentsendungen nicht an den Problemen des entsandten Arbeitnehmers, der die meiste Zeit des Tages in einem international geprägten Arbeitsumfeld unterwegs ist, sondern an solchen mit ausreisenden Partnern. Das ist vor allem dann der Fall, wenn der mitausreisende Partner im Gastland keine Arbeitserlaubnis bekommt. Auch für die Kinder könnte die Ausreise ein besonderes Problem sein.

Wer schon einmal eine Fremdsprache gelernt hat, weiß, wie viel Überwindung es kostet, die neu erlernte Sprache im täglichen Leben anzuwenden.


Praxis-Tipp


Unterstützen Sie Ihre ausländischen Kollegen, wenn sie gerade dabei sind, ihr Deutsch zu entwickeln. Gerade diese Situation wird gerne von den „einheimischen“ Kollegen „ausgebeutet“, um ihr Englisch zu praktizieren. Die Neuankömmlinge brauchen aber die Fremdsprachenübung viel dringender.

Was passiert im fremden Land?

Der logistische Aufwand – Umzug oder Pendeln zwischen zwei Wohnorten – ist enorm. Oft bleibt vor allem in den ersten Wochen wenig Zeit, am neuen Ort wirklich anzukommen. Wenn man sich vom Umzugsstress einigermaßen erholt hat, kommt häufig der Kulturschock. Ein Kulturschock kann unterschiedlich stark ausfallen. Vom leichten Heimweh bis zu einer ausgewachsenen Lebenskrise kann vieles passieren. Es gibt aber auch Menschen, die keinen Kulturschock erleben. Bei einem Aufenthalt in einer anderen Kultur funktionieren viele Strategien nicht mehr, die uns zielsicher und ziemlich automatisch durch unseren Alltag führen. Das fängt bei Begrüßungs- und Abschiedsritualen an, geht über die Entscheidungsfindung in Teams weiter bis hin zur Partnersuche. Praktisch alle Bereiche des täglichen Lebens sind betroffen. Das kann das Weltbild komplett auf den Kopf stellen und selbst extrem ausgeglichene Menschen aus dem inneren Gleichgewicht bringen. Für Kulturschocks, wie auch für andere persönliche Krisen gilt das Gleiche: Nachdem der Kulturschock überwunden ist, verfügt der Mensch über eine verbesserte Wahrnehmung und hat mehr Möglichkeiten und Strategien, flexibel auf Situationen zu reagieren.

Rückkehrschock

Wenn sie sich gut eingelebt haben, erleben Expats häufig einen Rückkehrschock, weil jetzt auf einmal die alte Heimat anders und ungewohnt erlebt wird. Frustrierend ist es auch, dass nach der Rückkehr in die Heimat die Auslandserfahrung von den daheim gebliebenen Kollegen und Freunden oft nicht so richtig wertgeschätzt wird, weil für sie das Leben in der Zwischenzeit im gewohnten Rahmen blieb und kein bisschen aufregend war. Die Auslandserfahrung wirkt dann trennend. Auch die Abwesenheit von der Firmenzentrale hat nicht immer Vorteile. Ein Auslandsaufenthalt kann im Nachhinein auch zur „Karrierebremse“ werden.


Praxis-Tipp


Bauen Sie auch Rückkehrenden eine Brücke – zum Beispiel, indem Sie ihnen eine Plattform bieten, um ihren Kollegen von ihren Erlebnissen im Ausland zu berichten.

  • im Rahmen eines Lunchmeetings
  • im Intranet
  • in der Mitarbeiterzeitschrift.

Wozu Auslandserfahrung?

Der wichtigste Grund, sich den Unwägbarkeiten und Anstrengungen eines Auslandsaufenthalts zu stellen, ist die Möglichkeit, völlig neue Erfahrungen zu sammeln. Häufig ist die Auseinandersetzung mit einer neuen Kultur eine Quelle für die Kreativität, weil man zusätzlich zu seinen schon vertrauten Denkmustern völlig neue Lösungsansätze entwickeln muss, um in der neuen Umgebung seine Ziele weiterhin zu erreichen. Menschen, die einen erfolgreichen Auslandsaufenthalt erlebt haben, empfinden die gemachten Erfahrungen und die geschlossenen Freundschaften häufig rückblickend als Bereicherung für das ganze weitere Leben.


Meine Empfehlung


Verschenken Sie ein Buch!

  • German Secrets: Achtung to Zeitgeist von Paul Smith und Ken Taylor
  • Die Deutschen – Wir Deutsche. Fremdwahrnehmung und Selbstsicht im Berufsleben von Sylvia Schroll-Machl (auch auf Englisch erhältlich „Doing Business with Germans“)
  • Culture Shock! Germany: A Survival Guide to Customs and Etiquette
  • einen Bildband oder Städteführer Ihrer Stadt

Expertenrat


Sieben Tipps zur Vorbeugung und Behandlung von Kulturschocks:

  1. Ermuntern Sie die ausländischen Mitarbeiter, nicht das Gastland permanent mit dem Heimatland zu vergleichen. Auf diese Weise finden sich ständig Dinge, die zu Hause (vermeintlich) besser sind.
  2. Vermitteln Sie Kontakte zur örtlichen Expat-Gemeinde, die den Kulturschock schon positiv gemeistert haben und der Gastkultur aufgeschlossen gegenüber stehen.
  3. Helfen Sie, Kontakt zur einheimischen Bevölkerung herzustellen. Machen Sie auf Vereine oder lokale Kursangebote (Zeichnen, Tanzen, etc.) aufmerksam. Erklären Sie den Gästen einheimische Produkte und versuchen Sie sie zu unterstützen, am öffentlichen Leben im Gastland teilzunehmen.
  4. Stellen Sie Ihrem ausländischen Mitarbeiter einen internen „Paten“ zur Seite, der ihm für Fragen zur Verfügung steht und ihm damit hilft, sich in Deutschland zurechtzufinden.
  5. Schaffen Sie sich ein firmeninternes Netzwerk, zum Beispiel einen regelmäßigen Stammtisch, wo ausländische und einheimische Mitarbeiter sich treffen und austauschen, und zu dem die Lebenspartner mit eingeladen sind.
  6. Von der Wichtigkeit, die lokale Sprache zu lernen, war schon die Rede – man kann es aber nicht oft genug wiederholen. Überreichen Sie den Neuankömmlingen ein Blatt mit ein paar gebräuchlichen deutschen Sätzen und Redewendungen und der englischen Übersetzung. Und ermuntern Sie sie, einen Sprachkurs zu besuchen, falls keine firmeninternen Kurse angeboten werden.
  7. Schenken Sie Neuankömmlingen ein Buch, das sie mit der deutschen Mentalität bekannt macht (siehe Buchtipps), oder einen virtuellen Anfänger-Sprachkurs.

Der Autor: Alexander Drews ist (Team-)Trainer und (Team-)Coach
mit Kompetenzschwerpunkt auf den Kulturunterschieden zwischen Deutschland und der Schweiz.

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