Wer grüßt wen zuerst – und wie?

Eine Frau mittleren Alters betritt zielstrebig mein Büro und streckt mir die Hand zur Begrüßung hin: „Hallo, ich bin Frau Neu. Ich soll mich bei Ihnen wegen des Praktikums melden.“ Inzwischen bin ich aufgestanden: „Grüß Gott, Frau Neu, herzl…“. „Ach sagen Sie doch Marita zu mir. Wir sind ja etwa im gleichen Alter… da können wir uns doch gleich duzen!“, unterbricht sie mich.

Irgendwie fühle ich mich überrumpelt. Trotzdem nehme ich die Hand von Frau Neu und begrüße sie freundlich. Ihr Duz-Angebot übergehe ich. – Wer die geltenden Regeln beherrscht, kann sie durchaus auch mal – ganz bewusst und mit Charme – außer Kraft setzen.

Die Basics

  1. Ein Gruß (= ohne körperlichen Kontakt) ist ein Zeichen der Wertschätzung. Unhöflich wäre, ihn nicht zu erwidern.
  2. Wer den anderen zuerst sieht oder einen Raum betritt, grüßt zuerst. Diese höfliche Geste steht jedem gut – unabhängig vom Status (Position, Alter, Geschlecht). 
  3. Ihr Gruß sollte hörbar und von einem freundlichen Gesichtsausdruck begleitet sein.
  4. Eine Begrüßung (z. B. durch Händedruck) findet immer auf Augenhöhe statt. Konkret: Im Zeitalter der Gleichberechtigung stehen auch Frauen für Männer zur Begrüßung auf. 
  5. Eine entgegengestreckte Hand wird immer angenommen. Wer eine ausgestreckte Hand nicht annimmt, demontiert letztlich seinen eigenen Status.
  6. Menschen, die sich kennen, begrüßen sich zuerst. Erst dann werden weitere Anwesende vorgestellt und begrüßt. 
  7. Bei Gruppen: Reichen Sie einer Person die Hand, sind alle anderen in der Gruppe ebenfalls per Handschlag zu begrüßen.

Begrüßungsreihenfolge

Bei Begrüßungszeremonien und beim Vorstellen/Bekanntmachen überlegen Sie: Wer ist bei diesem Zusammentreffen die „wichtigste Person“? Der Tipp, innerlich „Kronen“ zu verteilen, ist gemeinhin bekannt und hilft, die wichtigste Person zu definieren: „Kronenträger/ innen“ sind (in dieser Reihenfolge): Diese Personen (Kronenträger/innen) entscheiden, ob:

  • sie die Hand zur Begrüßung reichen wollen oder ob es beim Gruß bleibt.
  • sie der anderen Person das Du anbieten wollen oder nicht. Grundsätzlich geht ein Duz-Angebot immer von hierarchisch höher stehenden Personen aus!

Bei der persönlichen Vorstellung achten Sie darauf, dass Sie

  • sich immer mit Vor- und Nachnamen und ohne Floskeln vorstellen („Ich bin/heiße…“) und
  • am besten eine Information über sich preisgeben (z. B. die eigene Position nennen oder in welchem Verhältnis Sie zur gegebenen Situation stehen: „Ich vertrete zur Zeit…“).

Beispiele

Wollen Sie Personen in den Räumlichkeiten Ihres Unternehmens miteinander bekanntmachen, gehen Sie folgendermaßen vor: Sie stellen dem Gast/ Kunden Ihren Vorgesetzten vor, dieser begrüßt (als Gastgeber) den Gast und heißt ihn willkommen. (Der Kunde ist zwar grundsätzlich „König“, in diesem Fall greift jedoch die „Gastgeberregel“). Anschließend stellen Sie Ihre Kollegen der Hierarchie entsprechend vor. Sind die Kollegen hierarchisch auf gleicher Ebene und/oder sind es mehr als fünf Personen, stellen Sie sie der Reihe nach vor. In diesem Fall ist ein freundlicher Gruß – von beiden Seiten – in die Runde ein akzeptiertes Mittel.

Findet die gegenseitige Vorstellung nicht in Ihren eigenen Räumlichkeiten statt, sondern beispielsweise auf einer Messe, ändert sich die Reihenfolge: Sie stellen dem Kunden zuerst Ihren Vorgesetzten, dann die Kollegen vor. Der Kunde entscheidet, ob es zum Handschlag kommt oder nicht.

Wie wäre nun die eingangs geschilderte Situation idealerweise gelaufen?
Frau Neu betritt nach Aufforderung mein Büro, grüßt freundlich und wartet zunächst ab. Ich gehe auf sie zu, begrüße sie per Handschlag und stelle mich kurz vor. Im Anschluss wird Frau Neu sich vorstellen und ihr Anliegen vorbringen.

Begrüßungssituationen laufen selten „nach Lehrbuch“ ab. Sehen Sie‘s entspannt. Setzen Sie um, was möglich ist, und den Rest würzen Sie mit Humor und Charme, denn: „Gute Manieren äußern sich nicht zuletzt im Übersehen gewisser Dinge“ (Unbekannt).


Die Autorin: Eveline Bischoff (Dipl. Image Consultant) ist selbständige
Trainerin und Beraterin in den Bereichen Persönlichkeit, Image und Bürokompetenz.


Begrüssungsreihenfolge


 Beruflich  Privat
1. Gäste bzw. Kunden 1. deutlich ältere Menschen
  2. Vorgesetzte bzw. hierarchisch höher stehende Personen*  2. Frauen
3. Gruppen
* „Ladies first“ zählt nur, wenn die Frau hierarchisch höher steht. Richtig wäre: Die Assistentin hält dem Chef die Tür auf. In solch einer Situation wird die Regel schon mal gerne außer Kraft gesetzt und der Vorgesetzte hält der Assistentin die Tür auf. Das Alter (eingeschränkt Geschlecht) spielt nur innerhalb der gleichen Hierarchie noch eine Rolle.
Total 0 Votes
0

Tell us how can we improve this post?

+ = Verify Human or Spambot ?