Wägen Sie Ratschläge sorgfältig ab

Natürlich fühlt man sich zunächst geehrt, wenn man von jemandem gebeten wird, ein Urteil oder eine Bewertung abzugeben. Doch Vorsicht: Ihr Rat kann auch wie ein Bumerang negativ zurückkommen!

PRAXIS-FALL:

„Du, sag mal, Kerstin, meinst du, es ist schlimm, wenn ich die Aufgabe von Herrn Möller vorziehe? Herr Schneider ist doch aktuell noch unterwegs“, fragt Sandy Berans ihre Kollegin und führt im Detail aus, warum es ihrer Ansicht nach sinnvoll ist, die eine Arbeit vor der anderen zu erledigen. Daraufhin bestärkt ihre Kollegin sie in der geplanten Vorgehensweise. Nachmittags kommt Sandy Berans wütend zu ihrer Kollegin zurück: „Danke für Deinen Rat – jetzt ist Herr Schneider sauer auf mich!“

Sie werden sowohl unter Ihren Kollegen als auch unter Kunden und Geschäftspartnern immer wieder Menschen finden, die gern die Verantwortung für ihr Handeln auf andere abschieben. Meist erkennen sie ganz schnell, bei wem das auch gut funktioniert.

Das Problem: Je häufiger diesen Menschen eine solche Verhaltensweise gelingt, desto öfters setzen sie Sie in ihrem (Berufs-)Alltag ein. Der Vorteil:

  • Erweist sich der Rat des anderen als gut – sind sie zufrieden.
  • Führt die Bewertung zu einem negativen Ergebnis, fühlen sie sich als Opfer – schließlich „müssen Sie jetzt das ausbaden, was ihnen jemand anderes geraten hat“.

Lassen Sie sich nicht einspannen

Wägen Sie Ihre Ratgeberrolle sorgfältig ab – und lernen Sie aus negativer Erfahrung. Das bedeutet nicht, dass Sie nun keinem mehr einen Rat geben oder Ihr Urteil kundtun dürfen. Achten Sie jedoch darauf, …

  • wer Sie fragt und
  •  wie dieser vorgeht.

Ihre Ratschläge gegenüber Kollegen …

Sicherlich merken Sie recht schnell, wenn einzelne Kollegen sich generell eher zögerlich verhalten. Kommen diese nun auf Sie zu und bitten Sie um einen Rat, der gewisse Konsequenzen oder Folgen nach sich zieht, empfiehlt sich folgende Vorgehensweise: Fragen Sie ihn, was seiner Ansicht passieren würde, wenn er sich so oder so verhalten würde. Auf diese Weise ist Ihr Gegenüber gezwungen, sich selbst mit der Angelegenheit auseinanderzusetzen.

Allerdings kann es passieren, dass der andere …

  • hartnäckig auf Ihre Meinung besteht oder
  • ungehalten reagiert, weil Sie sich nicht so verhalten wie er es erwartet.

Letzteres ist meist dann der Fall, wenn er bisher von Ihnen gewohnt war, dass Sie ihm die Entscheidungsverantwortung abnehmen.

Gleich wie Ihr Gegenüber auf Ihre Frage reagiert, bleiben Sie gelassen und lassen Sie sich zu keinem Urteil und keiner Bewertung bewegen. Unter Umständen wird Ihr Kollege mit enttäuschter Miene von dannen ziehen – dennoch werden seine Versuche, Sie als Ratgeber zu missbrauchen, abnehmen.

… und gegenüber Unternehmensfremden

Überlegen Sie sich immer genau, was Sie sagen, wenn ein externer Anrufer oder Besucher Sie um Rat fragt – gleich, ob Sie ihn bereits als freundlichen Gast Ihres Vorgesetzten erlebt haben oder nicht.

  • Bitten Sie ihn, selbst die verschiedenen Aspekte abzuwägen und zu beurteilen – anstatt vorschnell Ihre eigene Meinung kundzutun. Im schlimmsten Fall kommt sonst Ihr Chef irgendwann zu Ihnen und wirft Ihnen vor: „Wie konnten Sie so etwas zu … sagen?“.
  • Verweisen Sie gegebenenfalls freundlich auf diejenigen Kollegen, die bestimmte Aspekte seines Anliegens besser als Sie kennen und erläutern können („Leider kann ich Ihnen in dieser Frage nicht weiterhelfen. Ich verbinde Sie mal mit … Diese kennt sich auf diesem Gebiet hervorragend aus und kann Ihnen wichtige fachliche Informationen geben, die Ihnen helfen, eine Entscheidung zu treffen.“)

In der nächsten Ausgabe erfahren Sie, wie Sie am besten mit introvertierten Menschen umgehen und auskommen. 

Nachgefragt

Zeitform im Protokoll?

Anfrage einer Leserin: Wird ein Protokoll in der Vergangenheitsform geschrieben – oder in der Gegenwart?

Antwort der Redaktion: Die korrekte Zeitform beim Protokoll ist die Gegenwart. Der Grund: Diese unterstreicht die Genauigkeit und Richtigkeit des Protokolls: Als Protokollführer schreiben Sie ja mit, während die Teilnehmer sprechen und Entscheidungen gefällt werden.

Achten Sie zugleich darauf, dass Sie Aussagen als indirekte Rede im Konjunktiv wiedergeben. Ein Beispiel: Wenn Herr Meier sagt: „Die Fakten stimmen so nicht.“, dann müssen Sie im Protokoll schreiben: „Herr Meier sagt, dass die Fakten so nicht stimmen würden.“ Schließlich muss der Charakter des Protokolls ja neutral bleiben.

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