Vorsicht: Der selbstverliebte Narzisst

Ist einer Ihrer Kollegen bisweilen äußerst charmant – und tritt in anderen Situationen unglaublich überheblich auf? Unter Umständen haben Sie es dann mit einem Narzissten zu tun!

Insbesondere unter Vorgesetzten ist dieser Menschentyp häufig zu finden, da Narzissten Eigenschaften mitbringen, die in der heutigen Arbeitswelt durchaus gut ankommen: Wo sie neu dazukommen, wecken Sie schnell die Sympathien für sich, weil sie oft zugleich unterhaltend, klug und witzig sind.

Viele Mitarbeiter leiden jedoch unter solchen Chefs bzw. Kollegen, weil …

  • deren Interesse an anderen tatsächlich äußerst begrenzt ist,
  • sie erwarten, dass sie uneingeschränkt bewundert werden und
  • auf Kritik unverhältnismäßig heftig reagieren.

Für Sie zur Erklärung: Die Kindheit prägt

Die Ursache für solch ein Verhalten sehen Psychologen darin, dass diese Menschen maßgeblich durch ihre Eltern geprägt sind:

  • Entweder haben Ihre Eltern sie immer zum „Größten“ stilisiert – um eigene Defizite zu kaschieren.
  • Oder die narzisstischen Menschen haben in ihrer Kindheit gelernt, dass sie nur dann die Aufmerksamkeit ihrer Eltern erhalten, wenn sie „etwas besonderes und herausragendes leisten“.
  • Es kann aber auch sein, dass ihnen stets in jungen Jahren alle Entscheidungen konsequent abgenommen wurden.

Als Folge sind sie süchtig nach einer ständigen Bestätigung von außen – was sich in der eingangs dargestellten Form zeigt. Bleibt sie aus, kommt es zu erheblichen Problemen. Es gibt aber auch noch eine zweite Form von Narzissmus. Diese ist meist unter Kolleginnen – aber auch Ehepartnern – zu finden: Die sogenannten abhängigen Narzissten. Dieser Menschentypus ordnet sich scheinbar anderen unter. Tatsächlich versuchen Sie aber auf diese Weise Kontrolle auszuüben.

PRAXIS-FALL: Frau Schmidt hilft anderen gerne. Allerdings erwartet sie auch, dass andere sofort alles stehen und liegen lassen, wenn sie Unterstützung benötigt. Verhalten sich ihre Kollegen nicht so, reagiert sie beleidigt („Wenn Du wieder einmal eine Datei benötigst, werde ich mir auch Zeit lassen.“) oder sogar sarkastisch („Ich dachte, als Studierter kennt man sich perfekt auf diesem Gebiet aus?!“).

Bei Chef und Kollegen: Bestehen Sie auf Grenzen

Haben Sie es mit offenkundig narzisstisch veranlagten Chefs oder Kollegen zu tun, dann kann Ihnen folgendes Vorgehen helfen: 

  • Egal wie der Gegenüber auftritt: Lassen Sie sich auf keinen Fall provozieren.
  • Führen Sie sich vor Augen, dass er sich wahrscheinlich gar nicht darüber bewusst ist, wie er auf Sie und andere wirkt.

Stellen Sie sich in solchen Phasen Ihren Kollegen/Chef als Kind vor, dass sich gerade ziemlich einsam bzw. bevormundet fühlt – und aufgrund dieser Erfahrung niemandem vertraut. Dieses „Kopfkino“ hilft Ihnen dabei, adäquat zu reagieren: Teilen Sie Ihrem Gegenüber sachlich und klar mit, wie Sie sich in dieser Situation fühlen.

Lassen Sie externe Kontakte ausreden

Haben Sie es beispielsweise mit einem Anrufer zu tun, …

  • der regelmäßig sich und seine Leistungen in den Vordergrund stellt,
  • der mit Kritik nicht konstruktiv umgehen kann,
  • bei dem Sie wissen, dass er ausfallend wird, wenn Sie nicht so reagieren, wie er es erwartet oder
  • Sie sogar beschimpft,

dann hören Sie ihm zunächst ruhig zu und bitten Sie ihn anschließend darum, nun Ihre Argumente vortragen zu dürfen.

PRAXIS-TIPP: Auch hier hilft es Ihnen, wenn Sie sich das oben dargestellte Bild der Kindheit dieser narzisstischen Menschen vor Augen führen. Sie sind dann weniger bereit, negative Äußerungen persönlich zu nehmen.

Sind Sie der Ansicht, dass Ihr Gegenüber dennoch nicht bereit ist, die Grenzen, die Sie ihm in Ihrer Unterhaltung setzen, einzuhalten, dann schlagen Sie ihm vor, das Gespräch zu einem anderen Zeitpunkt fortzuführen. 

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