Vom Umgang mit Nörglern und Ideenkillern

Notorische Nörgler können gehörig nerven. Und sie killen die besten Ideen. Schade – denn konstruktive Kritik könnte genauso gut Rückenwind bedeuten.

Was bringt Menschen dazu, überall zuerst das Haar in der Suppe zu sehen? Manchmal entspringt Nörgeln einer negativen Grundhaltung oder einer momentanen Missstimmung. In vielen Fällen ist die Kritik auch berechtigt – ein wahrer Kern ist praktisch immer vorhanden.

Gehören auch Sie zu jenen Personen, die bei jeder Neuerung zuerst die Schwierigkeiten sehen? – Wenn dem so ist, hat diese Eigenschaft Sie bestimmt vor vielen Fehlentscheiden bewahrt. Andererseits haben Sie sich dadurch vielleicht schon manche Chance verbaut. Wer keine Risiken eingeht, verpasst die Möglichkeit, neue Erfahrungen zu machen und über sich hinauszuwachsen.

Für ein Unternehmen ist es gut, dass es unterschiedlich gelagerte Menschen gibt. Ohne die begeisterungsfähigen Draufgänger würde kaum je eine bahnbrechende Innovation entstehen. Ohne die Warnsignale vorsichtiger Kritiker wäre so manches Projekt in den Sand gesetzt worden und ohne die Stimme eines detailverliebten Perfektionisten wäre manche Lösung mangelhaft geblieben. Die Kunst ist es, beide Seiten der Medaille zu pflegen und sie entsprechend zu kanalisieren.

PRAXIS-Tipps:

1. Entlarven Sie Killerphrasen

Mit Killerphrasen sind wir nicht nur in der Teamarbeit konfrontiert, sondern sie geistern auch in unseren eigenen Köpfen herum. Sie verhindern, dass wir unbefangen an neue Ideen herangehen. Der erste Schritt, etwas dagegen zu unternehmen, besteht darin, sie zu entlarven.

Typische Killerphrasen sind:

  • Aus diesem Projekt wird nie etwas.
  • Das ist alles mit viel zu viel Aufwand verbunden – wir schaffen das nie.
  • Wozu etwas ändern, wo es doch bisher ganz gut funktioniert hat.
  • So etwas kann niemals funktionieren.
  • Das haben wir früher schon versucht, hat nicht geklappt.
  • Das hat sich auch bei anderen nicht bewährt.
  • Das mag bei anderen funktionieren. Bei uns ist die Sachlage doch ganz anders.
  • Diese Idee ist völlig absurd.
  • Das mag zwar eine gute Idee sein, unser Chef/unser Kunde/unsere Mitarbeitenden würden sie aber niemals akzeptieren.

2. Entkräften Sie Killerphrasen

Keine Idee kommt perfekt zur Welt. Rufen Sie sich diese Tatsache immer wieder ins Bewusstsein und thematisieren Sie das im Team. Nehmen Sie Ihren Kritikern den Wind aus den Segeln, indem Sie Ihre Vorschläge so einbringen, dass Sie Killerphrasen schon im Ansatz abfangen.

  • Ich weiß, es klingt kühn, aber wäre es nicht eine Überlegung wert, einmal in eine völlig andere Richtung zu denken.
  • Mir fällt gerade etwas völlig Verrücktes zu diesem Thema ein. Wie wäre es, wenn …
  • Lassen Sie uns einmal gemeinsam träumen: Wie sähe unsere Lösung aus, wenn die Finanzen keine Rolle spielen würden?

3. Brandmarken Sie Killerphrasen

Brandmarken Sie Killerphrasen vor sich selbst – aber auch innerhalb des Teams. Treffen Sie gemeinsam die Vereinbarung, dass Sie im Prozess keine Killerphrasen dulden.

4. Kanalisieren Sie die Kritik

Trennen Sie den Ideenfindungsprozess von der Kritikphase! Übertragen Sie einer Person, deren kritische Grundhaltung bekannt ist, die Rolle des advocatus diaboli. Sie soll kritische Argumente sammeln und im Laufe des Projektes an einer definierten Stelle einbringen. Die übrigen Teammitglieder müssen dann ihre Ideen verteidigen. Dadurch hat niemand es nötig, sich durch Killerphrasen Gehör zu verschaffen. Kritik wird kanalisiert und an einen klaren Platz verwiesen.

Spielen Sie die verschiedenen Rollen der Reihe nach ruhig auch mit sich durch. Wichtig ist, dass der Ideenfluss durch Kritik nicht voreilig gehemmt wird.

5. Fordern Sie Nörgler heraus

Kritisieren ist einfacher als Verbesserungsvorschläge einzubringen. Wenn Sie Nörgler dazu auffordern, selbst Vorschläge auszuarbeiten und zu präsentieren, scheidet sich schnell die Spreu vom Weizen. Viele Nörgler sind damit überfordert. Es gibt aber auch Unzufriedene, die geniale Vorschläge einbringen, wenn Sie endlich einmal die Plattform dazu erhalten.

6. Lernen Sie, Kritik anzunehmen

Heißen Sie Kritik willkommen, selbst wenn Sie nicht auf Anhieb damit einverstanden sind. Es geht nicht darum, wer recht oder unrecht hat. Sehen Sie Kritik als eine Horizonterweiterung, denn sie bewahrt uns vor einem Tunnelblick. Das Annehmen von Kritik ist Ihre Chance, sich weiterzuentwickeln und in der Arbeit bessere Resultate zu erzielen

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