Umgang mit schwierigen Kollegen

Wie gehen wir im Büro mit „schwierigen” Kollegen um? „Schwierig” liegt auch im Auge des Betrachters, wie das Glas, was den einen „halb leer”, den anderen „halb voll” erscheint.

Den folgenden Typen ist eines gemeinsam: Sie nehmen weder Rücksicht auf andere, noch zeigen sie gute Umgangsformen. Trotzdem müssen wir mit ihnen auskommen, sonst leidet früher oder später unsere Arbeit darunter.

Die „Übertreiber”

Kennzeichen: schlechter Zuhörer, aber guter Erzähler, der sich gern im Pausenraum oder im Büro seiner Mitarbeiter aufhält. Egal von welchem Ereignis ein anderer Kollege berichtet, der „Übertreiber” kann die Story immer übertreffen. Er oder sie gibt gerne unglaubliche Anekdoten aus dem eigenen Leben preis, auch in sozialen Netzwerken, hat in Besprechungen immer die „besten” Ideen und beansprucht die meiste Redezeit für sich. Im Umgang mit anderen wird dieser Typus schnell verletzend, weil er übertrieben reagiert.

Tipps zum Umgang: Nehmen Sie seine oder ihre Anekdoten als das, was sie sind: unterhaltsame Abwechslungen vom Alltag, nach denen Sie beschwingt wieder an die Arbeit gehen können. Sollte der „Übertreiber“ in Besprechungen Unglaubliches erzählen, bringen Sie ihn – samt den vor Bewunderung schweigenden Mitarbeitern – auf den Boden der Tatsachen zurück mit Fragen, wie zum Beispiel „Was meinen Sie mit Hundert Prozent?“ oder „Was genau ist für Sie daran ‚untragbar`?“

Die „E-Mail-Spammer”

Kennzeichen: Wenn er nicht gerade laut auf seiner PC-Tastatur hackt, checkt er E-Mails am Smartphone. Selbst beim Essen oder in einer Besprechung kann er oder sie die Finger nicht vom Handy lassen. „E-Mail-Spammer” sind der Grund dafür, warum unsere Postfächer überquellen. Sie setzen die gesamte Abteilung bei jeder Nachricht in CC und verschicken ständig „lustige” Fotos.

Tipps zum Umgang: Der „E-Mail- Spammer“ mag nichts lieber als Beifall. Entziehen Sie ihm diesen, werden die unnötigen Nachrichten weniger. Reagieren Sie nicht auf die „lustigen“ E-Mails und schreiben Sie keine Kommentare zurück. Antworten Sie nur auf das, was die Arbeit betrifft. Will er oder sie Ihnen lustige Dinge am Arbeitsplatz zeigen, arbeiten Sie einfach weiter. Das ist in diesem Fall nicht unhöflich, sondern zeigt, dass Sie jetzt arbeiten müssen.

Allgemein hilft, dass Sie sich Folgendes bewusst machen: Niemand ist von sich aus immer „schwierig“. Meist ist es eine schwierige Situation, in der sich diese Menschen befinden. Ein notorischer EMail- Spammer kann sonst richtig nett, aber im Büro einsam sein? Der junge „Übertreiber“ hat vielleicht exzellentes Fachwissen, wird aber von den älteren Kollegen nicht ernst genommen?

Auf der anderen Seite können wir unsere Reaktionen auch im 21. Jahrhundert nur mit viel Selbstbeherrschung kontrollieren, da wir seit der Steinzeit auf „Flucht“ oder „Kampf“ programmiert sind. Für einen erfolgreichen Umgang mit schwierigen Zeitgenossen hilft es daher, wenn wir uns eine passende Strategie zurechtlegen.

Raus aus der „Ärgerfalle“

1. Versuchen Sie niemanden zu ändern!
Menschen ändern sich nicht. Daher bringt es nichts, wenn Sie dies versuchen wollen. Nehmen Sie auch von dem Anspruch Abstand, dass Sie jeder lieben sollte. Manchmal stimmt einfach die Chemie nicht! Der einzige Mensch, den man ändern kann, ist man selbst! Ändern Sie daher lieber Ihren Standpunkt und analysieren Sie, was genau Ihnen an einer Person nicht gefällt.

2. Wer reagiert, verliert!
Wer auf provokante Äußerungen wie „Sie kommen ja schon wieder zu spät!“ oder „Wie sieht denn Ihre Excel-Tabelle aus!“ spontan reagiert, hat schon verloren. Viel wichtiger ist es, dass Sie kurz reflektieren, was diese oder andere Äußerungen eines Kollegen mit Ihnen machen. Nur die Analyse solcher Situationen und Ihre körperliche, geistige und seelische Reaktion darauf helfen, aus der „Ärgerfalle“ herauszukommen.

3. Senden Sie „Ich-Botschaften“!
Wie in Konfliktgesprächen gilt es auch allgemein in schwierigen Situationen, aus der eigenen Sicht zu sprechen. Statt „Sie haben, ohne mich zu fragen, einfach meine Excel-Tabelle herumgereicht!“ besser „Ich hätte mir gewünscht, Sie hätten mich zuerst gefragt …“. Damit zeigen Sie, dass Ihr Ärger nicht persönlich, sondern auf eine Handlung oder Situation bezogen ist.

4. Geht nicht, gibt es nicht!
Sie bekommen schon Bauchweh, Wut oder Minderwertigkeitsgefühle, wenn Sie einem Kollegen auf dem Gang begegnen? Wo der Vorzeitmensch in uns jetzt gerne die Keule schwingen würde, setzt die moderne Verhaltenspsychologie auf Deeskalation: Gerade für wiederkehrende Konfliktsituationen hilft eine Strategie tatsächlich. Überlegen Sie sich Antworten und üben Sie sie vor dem Spiegel oder mit Freunden ein.


Die Autorin: Manuela Krämer M.A. (federkunsttexte.de) ist Autorin und Werbetexterin.


Schnell-Check: So reagieren Sie auf Provokationen


  • Ärgerfalle vermeiden: agieren statt reagieren
  • ruhig und sachlich bleiben
  • sich fragen: Was steckt dahinter?
  • nachfragen, wie etwas gemeint ist
  • Ich-Botschaften senden
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