Gediegen dinieren

„Buhh, war das anstrengend“, meint der Vorgesetzte, als er vom gemeinsamen Mittagessen zurückkommt. „Der eine labert ohne Punkt und Komma, beim anderen kommt kaum ein Wort über die Lippen…“, sichtlich erschöpft von der Verbal-Jonglage, bittet er um einen Kaffee.

Bei der Platzierung der Gäste kommt es nicht nur darauf an, eine gute Gesprächsatmosphäre zu schaffen. Auch der Status der Gäste spielt eine Rolle.

Wer sitzt wo?

  1. Besser nah als fern (Ehrengäste/ Ranghöhere sitzen in unmittelbarer Nähe zu den Gastgebern. Gastgeberpaare sitzen sich gegenüber, möglichst in der Mitte einer Tafel).
  2. Besser rechts als links (Weibliche Ehrengäste sitzen rechts vom Gastgeber, männliche sitzen rechts von der Gastgeberin).
  3. Oberstes Ziel: eine gute Kommunikation (extro- und introvertierte Menschen gut verteilt setzen hält die Kommunikation am Laufen; Menschen mit ähnlichen Interessen zusammensetzen; Paare eventuell trennen, Blickkontakt sollte jedoch möglich sein).

Praktisch umgesetzt bedeutet das bei einem Business Lunch mit mehreren Geschäftspartnern: Die Plätze werden hierarchisch vergeben, das Geschlecht spielt dabei keine Rolle. Dem Abteilungsleiter gegenüber sitzt sein Stellvertreter, rechts neben dem Abteilungsleiter nimmt die Nr. 1 der Gästeriege Platz. Rechts neben seinem Stellvertreter sitzt die Nr. 2 der Gästeriege.

Alle weiteren Mitarbeiter setzen sich so, dass die geschäftlichen Gespräche sinnvoll geführt werden können.

Wenn möglich, weist man Gäste die „besten Plätze“ zu: mit Blick in den Raum, gegebenenfalls auch mit Blick aus dem Fenster. Weiter ist darauf zu achten, dass Gäste nicht von Sonne beziehungsweise Licht geblendet werden. Ein absolutes No-Go für die Gäste: eventuell vorhandene Tischkärtchen verschieben!

Tischmanieren: Zehn Fettnäpfchen- Vermeidungsregeln

  1. Ihr „Terrain“ ist Ihr Gedeck! Lehnen Sie sich also nicht über das Gedeck Ihrer Tischnachbarn.
  2. Achten Sie auf eine gerade Sitzposition (zwischen Tisch und Körper passt eine Katze, zwischen Rücken und Stuhl eine Maus).
  3. Hände müssen sich nicht mehr während des gesamten Essens auf dem Tisch befinden. Sie können sie beim entspannten Zurücklehnen auch auf Ihrem Schoß ablegen.
  4. Ellenbogen werden nicht auf dem Tisch abgestützt.
  5. Das Essen wird zum Mund geführt, nicht der Mund zum Essen.
  6. Servietten sind nicht nur zur Dekoration gedacht. Damit nicht sämtliche Fettrückstände sich am Glas wiederfinden, tupft man den Mund beim Wechsel zwischen Essen und Trinken mit der Serviette ab. Die Serviette liegt während des gesamten Essens auf Ihrem Schoß: zur Hälfte gefaltet, mit der offenen Seite zum Körper. Mit der Innenseite der oberen Hälfte tupfen Sie Ihre Lippen ab.
  7. Brot und Brötchen werden in mundgerechte Stückchen gebrochen, bestrichen und ganz in den Mund gegeben. Erst dann kommt das nächste mundgerechte Stück. Den Aufstrich können Sie entweder jedes Mal neu holen oder einen kleinen Vorrat auf den Brotteller geben.
  8. Geschirr wird in der Regel nicht mit der Hand berührt. Das bedeutet im Falle des Brottellers: Es bleibt da stehen, wo es eingedeckt wurde – links oberhalb des Gedecks – und wird nicht in die Mitte geholt.
  9. Bezüglich der Bestecksprache stellen Sie sich eine Uhr vor. Die Position 20 nach 7 (Messer rechts, Gabel links) bedeutet: Sie machen eine kurze Pause. Wurde vom Service Nachschlag angeboten und Ihr Teller ist leer, bedeutet diese Position für den Service, dass Sie noch Nachschlag wollen. Legen Sie Ihr Besteck auf Position 20 nach 4 (Messer oben mit der Schneide Richtung Gabel, Gabel unten), erkennt der Service, dass Sie mit Essen fertig sind. Gastgeber legen ihr Besteck erst dann in diese Position, wenn alle Gäste am Tisch fertig sind. Das ist das nonverbale Zeichen an den Service, dass der Tisch abgeräumt werden kann.

Bei einem Buffet berücksichtigen Sie bitte, dass auch dieses eine Speisefolge hat (Vor-, Haupt-, Nachspeise). Sie müssen nicht jeden Gang einnehmen. Sie dürfen mehrfach von einem Gang holen, vermeiden aber bitte überladene Teller. Nehmen Sie kein gebrauchtes Geschirr ans Buffet, um Nachschlag zu holen. Der Service wird dieses abräumen, während Sie sich mit frischem Geschirr weiter bedienen.


Die Autorin: Eveline Bischoff (Dipl. Image Consultant) ist selbständige Trainerin und Beraterin in den Bereichen Persönlichkeit, Image und Bürokompetenz.

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