Erste Hilfe im Umgang mit Störungen

Wie gehen Sie mit Unvorhergesehenem im Alltag um? Ab wann empfinden Sie Unterbrechungen als unangenehm? – Finden Sie heraus, was Ihnen schadet und schärfen Sie Ihre soziale Kompetenz im Umgang mit Störungen.

Nicht jede Person stört das Gleiche! Schaffen Sie für sich persönlich das ab, was Sie negativ beeinflusst, denn es ist Ihre Leistung, die früher oder später unter Stress durch Störungen leiden kann.

Wie geht es Ihnen?

Soziale Kompetenz misst sich auch daran, wie gut wir mit uns selbst umgehen: Möchten Sie es jedem recht machen, leiden Sie unter Ihrem „Helfersyndrom“? Geschehen Dinge, ohne dass Sie darauf Einfluss ausüben (können)? Oder steuern Sie den Umgang mit Kollegen sowie Abläufe aktiv mit?


Praxis-Beispiel


Petra Liszt, Assistentin einer Ambulanz, ist die erste Anlaufstelle für Patienten, Ärzte, Pflegepersonal und andere. Es vergeht keine Minute, in der sie in Ruhe arbeiten kann. Pausen schafft sie nur mit schlechtem Gewissen in großer Eile. Ihre Kollegen und die Ärzte betrachten sie als ständig verfügbare Kraft und möchten, dass ihre Anliegen direkt erledigt werden. Seit kurzer Zeit „fertigt“ die Assistentin die Untersten in dieser Hierarchie, die Patienten, immer unhöflicher ab – und schämt sich danach umso mehr.

Erleben Sie im Sekretariat ähnlich permanenten Stress durch Störungen, sollten Sie Ihrer Gesundheit und der Karriere zuliebe handeln.

Finden Sie „Ihre” Grenze(n)

Ein allgemeingültiges Rezept, wie Sie negative Störungen beseitigen können, gibt es nicht. Es würde auch keinen Sinn machen, da jeder Störungen unterschiedlich empfindet. Vielmehr hilft die nüchterne Analyse der Situation:
Welchen Störungen sind Sie momentan ausgesetzt und welche davon sind für Sie nicht (mehr) tragbar?

Schlagen Sie Lösungen vor

Nach der Analyse werden Sie in den meisten Fällen schon selbst herausgefunden haben, wie Sie „Ihre“ persönliche Störung abschaffen können. Manchmal reicht schon eine kleine Organisationsänderung am Arbeitsplatz. Gehen Sie in jedem Fall planvoll, strukturiert und gelassen vor und zeigen Sie sich sozial kompetent. Schlagen Sie zum Beispiel Ihren Kollegen und Vorgesetzten erste Ideen vor, hören Sie sich weitere Vorschläge an und stimmen Sie die Lösung auf Ihr Team ab.

Beispiel: Frau Liszt stellt nach kurzer Rücksprache drei Eingangskörbe auf ihren Tresen: „Ablage Patientenakten“ „Sprechstunde heute“ und „Rezepte und Verordnungen“. Damit sorgt sie für mehr Ruhe an ihrem Arbeitsplatz und entlastet gleichzeitig Kollegen und Vorgesetzte, indem sie deren Aufenthalt in ihrem Zimmer verkürzt.

Fazit: Wenn Sie aktiv vorgehen und Lösungen bieten, haben Sie mehr Chancen auf Erfolg. Außerdem hilft eine individuelle Lösung mehr als allgemeingültige Regeln. Natürlich funktioniert nicht alles sofort. Rechnen Sie daher nach einer Veränderung zunächst mit dem einen oder anderen „Belächeln” seitens der Kollegen und Vorgesetzten. Halten Sie dennoch an Ihrer Lösung fest, denn nur so wird sie vom gesamten Team akzeptiert und geht nach einer Weile in Routine über.


Checkliste Wie gehe ich mit den Störungen um?


  1. Wie verhalte ich mich, wenn ich gestört werde?
    Denken Sie an die letzte Unterbrechung oder Störung zurück: Wie haben Sie reagiert? Wie fühlten Sie sich kurze Zeit später?
    Beispiel:
    Frau Liszt schreibt: „Wunsch sofort ausgeführt, geärgert und den ‚Roten Faden’ bei meiner eigenen Aufgabe verloren.“
  2. War mein Verhalten erfolgreich?
    Wer nach der Störung zufrieden weiterarbeiten konnte, wird diese als wenig belastend empfunden haben. Wer bereits geringe Verärgerung spürt, sollte gegensteuern.
    Beispiel: Frau Liszt schreibt: „Nein, es ändert sich nichts.“ Sie will daher unbedingt Maßnahmen ergreifen.
  3. Welche Störungen sind tragbar, welche nicht?
    Unterscheiden Sie! Schreiben Sie auf, welche Art der Unterbrechung Sie aus dem Konzept bringt und dementsprechend geändert werden muss. Welche Störungen sind hingegen tragbar, sinnvoll und in Ordnung?
    Beispiel:
    Frau Liszt nennt „Patienten und Notfälle“, die ihre Arbeit unterbrechen, „notwendig“, persönlich an sie herangetragene Routine-Arbeiten von Ärzten und Krankenschwestern „störend und unnötig“.
  4. Was stört mich genau?
    Wenn Sie sich nicht durch eine Person, sondern eher durch ständiges Herein- und Hinausgehen von Personen oder von Lärm unterbrochen fühlen, benötigen Sie eine andere Lösung, als wenn Sie sich von einem konkreten Mitarbeiter gestört fühlen.
    Beispiel:
    Frau Liszt empfindet Mitarbeiter, die ständig um sie herumlaufen, hinter ihrem Rücken in Akten blättern und sie laufend in ihre Gespräche mit einbeziehen, als besonders belastend.

 Die Autorin: Manuela Krämer M.A. (federkunst- texte.de) ist freie Texterin, Buchautorin und Redakteurin.

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