Der letzte Schliff

Texte redigieren ist nichts anderes als Fehler zu entdecken? – Falsch! Das genaue Prüfen eines Textes ist wie ein Feinschliff, der aus einem rohen Stein erst den funkelnden Diamanten macht. Grund genug, sich die Kunst des Redigierens im Sekretariat möglichst effizient zu gestalten.

Haben Sie einen Text verfasst, entsteht ein typisches Problem: Beim Durchlesen sind Sie blind für die Schwachstellen der eigenen Zeilen. Fremde Texte haben ebenfalls ihre Tücken, weil hier ein anderer, nicht unbedingt schlechterer Stil vorherrscht. Die Gefahr, dass Sie entweder zu schnell mit dem Ergebnis zufrieden sind oder aber stundenlang über schönere Formulierungen nachdenken, ist groß. Dabei ist Redigieren so wichtig, denn dieser „zweite Blick“ verstärkt die Wirkung eines Textes.

Wer das Redigieren mit Methode betreibt, sorgt für höchste Qualität innerhalb kürzester Zeit.

Was redigieren?

Besonders lohnen sich Texte, die Ihre Kunden oder Geschäftspartner lesen, aber auch Schreiben, in denen Sie Mitarbeitern Wichtiges mitzuteilen haben wie: Angebote, Produktseiten für die Homepage, Werbemittel und -briefe, Präsentationen, Einladungen, Absagen oder Gratulationsbriefe.

Wann redigieren?

Die größte Gefahr beim Redigieren ist, dass man zu früh damit beginnt. Ist der Text noch nicht fertig, wird aus gut gemeinten Änderungen nur zeitraubendes Verzetteln. Daher gilt: erst schreiben, dann redigieren. So schwer es auch fallen mag. Zweite Gefahr: In der Regel gibt es in jedem Text eine Stelle, an der man nicht weiterkommt, doch auch diese sollte so schnell wie möglich fertig werden und erst später in bessere Worte gebracht werden.

Wichtig beim Redigieren ist nicht, dass Sie an alle syntaktischen und semantischen Feinheiten denken, sondern wie gut der Text seine Botschaft vermittelt. Finden Sie anhand der folgenden heraus, was einem Text fehlt und wie Sie „Störer“ und Brüche durch „Verstärker“ ersetzen.

Checkliste „Redigieren“

1. Erst ruhen lassen! – Vor allem für Eigenes gilt: Legen Sie einen Text mindestens zehn Minuten weg, bevor Sie ihn redigieren. Schon in kurzer Zeit haben Sie sich emotional etwas von den Zeilen gelöst und können effektiver arbeiten.

2. Farbig markieren. – Überlegen Sie sich wichtige Punkte, die Sie verbessern wollen, markieren Sie Entsprechendes im Text immer in der gleichen Farbe, aber ändern Sie noch nichts.

3. Dann erst bearbeiten! – Jetzt können Sie sich Schritt für Schritt die farbig markierten Passagen vornehmen:

Bewährte Methode Markieren und Bearbeiten

a) Blau – Aufbau und Logik
Wird der „rote Faden“ ganz durchgehalten? Ergänzungen, aber auch Kürzungen helfen hier: Streichen Sie nichtssagende Sätze, Floskeln, Füllwörter und Redundanzen …
Beispiele: Wenn Sie mit einer Bitte beginnen, sollte diese am Ende noch einmal aufgegriffen werden, starten Sie mit dem Wort „Problem“, sollte zum Schluss mit „Lösung“ oder „Chance“ aufgelöst werden.

b) Orange – Missverständliches
Bereinigen Sie mit dem konkreten Nennen des Themas, mit einfachen Formulierungen, mit Verben statt Substantiven und einem klaren Satzbau. Auch weniger Fremdwörter, mehr bildhafte Vergleiche oder Vorteile für den Leser helfen.
Beispiele: Statt „Ihre Anfrage vom 30.12.“ schreiben Sie: „Der DIN-lux 500 – Ihre Anfrage …“. Oder statt „die einfache Handhabung spart Zeit“ erläutern Sie mehr mit: „Drücken Sie auf den grünen Knopf, faltet sich X automatisch zusammen.“

c) Rot – Leselust und Spannung
Spannung schaffen Sie ebenfalls durch aktive Formulierungen, mehr Bildhaftigkeit und klare Struktur.
Beispiel: Steigen Sie direkt ins Thema ein, reservieren den Mittelteil für wichtige Details und schließen mit einem zusammenfassenden Vorteil für den Leser oder einer interessanten Ergänzung ab.

d) Grün – leseorientiert!
Wer Reaktionen will, muss sie einfordern, denn was nützt Ihnen ein Kopfnicken, wenn Sie eine Rückmeldung brauchen? Nutzen Sie daher die grün markierten Passagen, um Aufforderungen, aber auch Emotionen in Ihren Text zu bringen.
Beispiele: Statt „Bestellen Sie noch heute!“ ein „Wenn Sie bis zum 15.01. bestellen, profitieren Sie schon im Februar vom kostenfreien Wartungsservice.“ Oder: „Antworten Sie bis zum 15.01., nehmen Sie direkt Einfluss auf unsere nächste Verbesserungsaktion.“

Die Autorin: Manuela Krämer M.A. (www.federkunst-texte.de) ist Texterin und Redakteurin.


Meine Empfehlung


Eine/r allein sieht nicht alles. Sollten Sie mit einem Text nicht weiterkommen, hilft es, andere lesen zu lassen mit der Bitte: „Sag mir, was du verstanden hast.“ Ein „alter“ wirksamer Texter-Trick!

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