Der Deppenapostroph

Man kann ihn probeweise zwischen den Buchstaben hin und herschieben. Und doch bleibt oft die Unsicherheit, wo er denn nun hingehört. Der Deppenapostroph feiert Hochkonjunktur. Mittlerweile tun sich die meisten schwer mit der korrekten Platzierung des Apostrophs. Dieser Beitrag soll Abhilfe schaffen. Wie mutierte das einst sinnvolle Interpunktionszeichen zum Deppenapostroph?

Ein wesentlicher Grund für die Verunsicherung ist die zunehmende Verwendung englischer Ausdrücke im deutschen Sprachgebrauch. Und im Englischen wird der Apostroph nun einmal anders gesetzt als im Deutschen. Murphy’s Law („wird schon schiefgehen“) schreibt sich auf Deutsch ganz ohne Apostroph „Murphys Gesetz“. Beliebige Beispiele ließen sich hier anfügen.

Zum „denglischen“ Verwirrungspotenzial kommt der Trend der SMS- und Chat-Kommunikation hinzu, sich an die gesprochene Sprache anzugleichen und sowohl Wörter wie Satzteile abzukürzen. Der korrekte Platz für den Apostroph befindet sich nämlich da, wo ein oder mehrere Buchstaben weggelassen werden:

  • „Ich sag’s dem Chef “ statt „Ich sage es dem Chef “.

Doch beim Chat kümmert sich niemand um Rechtschreibung. Und so treibt der Deppenapostroph seine Blüten. Entweder es wird ganz darauf verzichtet, oder aber er wird falsch platziert:

  • „Ich sags dem Chef.“
  • „Ich sags‘ dem Chef.“

Obwohl beide Varianten falsch sind, könnte man sich leicht an sie gewöhnen. Aus diesem Grund seien hier die Regeln nochmals genannt:

Korrekte Anwendung

Bei Auslassungen Als ohne Apostroph gut lesbar und unmissverständlich gelten im Allgemeinen die folgenden Fälle:

Ein unbetontes „e“ im Wortinnern entfällt und die kürzere Form ist allgemein verständlich:

  • trockner Boden (statt trockener Boden)

Es entfällt ein Schluss-e bei bestimmten Verbformen:

  • Das hör ich gern.

Es liegt eine verkürzte, aber häufig gebrauchte Nebenform eines Substantivs oder Adjektivs vor:

  • öd (neben „öde“)
  • für die Katz (neben „Katze“) 
  • heut (neben „heute“)

Es liegt eine Fügung vor, in der ein Adjektiv oder Pronomen ungebeugt verwendet wird:

  • ruhig Blut bewahren
  • ein einzig Volk von Brüdern

Man kann einen Apostroph setzen, wenn Wörter der gesprochenen Sprache mit Auslassungen schriftlich wiedergegeben werden und sonst schwer verständlich sind:

  • So ’n Blödsinn.
  • Nimm ’ne andere Farbe. 
  • Wie willst du’s haben? 
  • Da fährt sich’s schlecht.

Bei allgemein üblichen Verschmelzungen von Präposition und Artikel setzt man in der Regel keinen Apostroph:

  • ans, aufs, durchs, fürs, hinters, übers, unters, vors
  • am, beim, hinterm, überm, unterm, vorm
  • hintern, übern, untern, vorn, zur

Auch bei mit „r“ beginnenden Wortkürzungen verwendet man meist keinen Apostroph:

  • rein, raus, runter, rüber

Bei umgangssprachlichen Verbindungen eines Verbs oder einer Konjunktion mit dem Pronomen „es“ ist der Apostroph gebräuchlich, kann aber auch weggelassen werden:

  • Wie geht’s dir? (auch: Wie gehts dir?)
  • Nimm‘s leicht! (auch: Nimms leicht!) 
  • Wenn’s weiter nichts ist … (auch: Wenns weiter nichts ist …)

Bei Wörtern mit Auslassungen im Wortinnern verwendet man den Apostroph:

  • D’dorf (für Düsseldorf)
  • Lu’hafen (für Ludwigshafen)

Bei Namen
Der Apostroph steht zur Kennzeichnung des Genitivs bei Namen, die auf s, ss, ß, tz, z, ce enden und keinen Artikel oder ähnliches bei sich haben.

  • „Herrn Mauß‘ Geburtstagsfeier findet erst morgen statt.“
  • „Würden Sie bitte Anita Katz‘ Arbeitszeugnis bis morgen nochmals überarbeiten!“ aber
  • die Geburtstagsfeier des Herrn Mauß • das Arbeitszeugnis der Anita Katz

Vor der Adjektivendung -sch

  • der Ohm’sche Widerstand (ebenfalls richtig: „Ohmsche“)

Vor dem Genitiv-s

  • Andrea’s Sonderangebot (zur Abgrenzung von Andreas)

Im Normalfall wird vor dem Genitiv-s jedoch kein Apostroph gesetzt:

  • Peters Wanderpokal 

Übung


Setzen Sie im folgenden Text die Apostrophe!
Hans hat nen Apfelbaum gepflanzt. Ausgerechnet neben Nachbar Alphons Parkplatz. Dieser findets ziemlich öd und beklagt sich, weil ers ihm nicht mal angekündigt hat. Wenns windet, sist ja klar, blästs alle Blätter auf Alphons BMWs Motorhaube. „Du hättests lassen sollen“, meint Hans Frau, „die Alphonsschen Zornausbrüche sind legendär. Wers mit ihm verspielt hat, hats verspielt.“

 

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