Darum gibt es Quartalsabschlüsse

In wenigen Wochen ist bereits das erste Quartal in diesem Jahr zu Ende. Wenn Sie in einem Aktienunternehmen bzw. einer US-amerikanischen Tochterfirma arbeiten, wissen Sie, dass nun die ersten Zahlen für dieses Jahr zusammengetragen werden müssen.

 

Auch wenn es nur für einen Teil der Unternehmen – Aktiengesellschaften und Unternehmen, die auf dem US-amerikanischen Markt aktiv sind – gesetzlich Pflicht ist, Quartalsberichte zu erstellen, wird diese Publikationsform generell immer wichtiger. Der Grund: Je offener die Unternehmensführung regelmäßig über die wirtschaftliche Entwicklung kommuniziert, desto …

  • mehr stärkt sie das Vertrauen der Anleger in ihre Arbeit,
  • gewinnt sie positive Aufmerksamkeit bei den Finanzjournalisten und
  • leichter ist es für sie, notwendiges Kapital von den Finanzinstituten zu erhalten.

Gerade der letzte Punkt spielt nicht nur seit dem Inkrafttreten von Basel II im Jahre 2007 eine wichtige Rolle. Durch die Finanzkrise im vergangenen Jahr haben sich die Kreditvergabekriterien der Banken weiter verschärft, sodass es sich kaum ein Unternehmen mehr leisten kann, intransparent zu wirken.

Außerdem ist es auch für die Geschäftsführung selbst wichtig zu wissen, ob der Kurs, den sie in den ersten Wochen eingeschlagen hat, richtig ist – oder ob Korrekturen notwendig sind.

Die Definition eines Geschäftsjahres

Die meisten Unternehmen passen das Geschäftsjahr dem Kalenderjahr an. Gesetzlich gefordert ist dies aber nicht.

Wenn es beispielsweise aus betrieblichen Gründen zu zeitlichen Engpässen kommt und daher die gesetzlichen Jahresabschlussvorgaben nicht erfüllt werden können, kann ein Unternehmen sein Geschäftsjahr auch in einem anderen Monat als Januar beginnen lassen.

Gleiches gilt, wenn ein Unternehmen mitten im Jahr gegründet wird: Die Geschäftsführung hat dann die Wahl, …

  • das Wirtschaftsjahr mit dem Gründungsmonat zu beginnen oder
  • die verbleibenden Monate als „Rumpfjahr“ zu bezeichnen – und anschließend das neue Geschäftsjahr am 1. Januar des darauffolgenden Jahres zu beginnen.

Druck von oben

Bereits seit 2001 versuchte die Deutsche Börse Quartalsberichte für größere Unternehmen durchzusetzen. Mit geteiltem Erfolg: Die Porsche AG wehrte sich beispielsweise gegen diese Vorgabe – und wurde daraufhin von der Deutschen Börse aus dem DAX-Index gestrichen. Ziel der Finanzinstitution war es, die deutschen Rechnungslegungsmethoden dem US-amerikanischen Standard US-GAAP (United States Generally Accepted Accounting Principles) anzupassen. Unternehmen, die bereits in die Vereinigten Staaten expandiert sind, müssen aufgrund dessen bereits ihre Quartalsabschlüsse darstellen.

Auswirkungen der EU-Transparenzrichtlinien

Im Januar 2005 trat dann die EU-Transparenzrichtlinie in Kraft, die klare Vorgaben bezüglich der vierteljährlichen Berichterstattung machte. Seit 2007 ist die Richtlinie nun auch in Deutschland in konkreten Gesetzen umgesetzt.

Das ist inhaltlich gefordert

Während Aktienunternehmen zum Ende eines Geschäftsjahres sowie halbjährlich einen ausführlichen Bericht über den monetären Erfolg erstellen und publizieren müssen, reichen Zwischenmitteilungen nach dem 1. und 3. Quartal aus.

Darin müssen in Textform

  • die wesentlichen Ereignisse der jeweiligen Vormonate (wie z. B. Bereichszusammenschlüsse, Maßnahmen der Kostenreduzierung) dargestellt sowie
  • die Finanzlage und das bisherige Geschäftsergebnis allgemein (z. B. tatsächliche Zuwächse, negative Umsatzentwicklungen für die jeweilgen Bereiche) beschrieben werden.

Alternativ kann die Geschäftsführung auch eine Gewinn- und Verlustrechnung erstellen.

Der Quartalszwischenbericht muss nicht allgemein veröffentlicht werden – aus den anfangs erwähnten Vorteilen tun dies jedoch immer mehr Unternehmen. 

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