Bewerbungsgespräche führen

Dass ein Kandidat oder eine Kandidatin fachlich qualifiziert ist, haben Sie geprüft. Nun geht es darum, herauszufinden, ob der Kandidat von seiner Persönlichkeit her in Frage kommt und ins Team passt. Dazu lädt ihn sein zukünftiger Vorgesetzter zu einem Gespräch ein. 

Nicht selten kommt es vor, dass der Chef dabei auch auf die Menschenkenntnis seiner Assistentin setzt und sie beim Gespräch dabeihaben möchte.

Der erste Eindruck

Der erste Eindruck bildet sich in den ersten paar Sekunden einer Begegnung und hakt sich hartnäckig fest. Mitbestimmend wirken folgende Aspekte:

  • Pünktlichkeit
  • Äußere Erscheinung
  • Umgangsformen
  • Persönliche Ausstrahlung und Stimme
  • Blickkontakt

Was jedoch, wenn Sie sich getäuscht haben? – Vielleicht erinnert Sie der Kandidat äußerlich an eine Person, mit der Sie schlechte Erfahrungen gemacht haben. Oder er hat eine markante Eigenschaft, die alles andere überstrahlt: Vielleicht hinkt er oder hat einen Tick, der aber für die Ausübung seiner Tätigkeit völlig irrelevant ist. Allein schon, um solche Beurteilungsfehler zu vermeiden, sollten Bewerbungsgespräche nicht alleine geführt werden. Sorgen Sie für eine entspannte Gesprächsatmosphäre. Ein paar freundliche Worte und etwas Smalltalk können die Anspannung des Bewerbers lockern.

Gesprächsleitfaden

Ein Bewerbungsgespräch ist kein starres Frage- und Antwortspiel. Wenn Sie Ihren Kandidaten wirklich kennenlernen wollen, dann lassen Sie ihn möglichst viel von sich erzählen und frei sprechen. Mit gezielten Fragen erhalten Sie Hinweise auf seinen Arbeitsstil, sein Kontaktverhalten, seine analytischen Fähigkeiten, Problemlösungskompetenzen, Stresstoleranz, Flexibilität und Kreativität. Die Grundsatzfrage, die nach einem Erstgespräch geklärt sein sollte, ist: Können Sie sich vorstellen, mit dieser Person zusammenzuarbeiten, ja oder nein. Die Antwort auf diese Frage entscheidet, ob der Kandidat weiter im Rennen bleibt.

Notieren Sie die Antworten des Gesprächspartners, denn es ist nicht ganz einfach, den Überblick zu behalten, wenn Sie mit mehreren Bewerbern ein Gespräch führen. Werten Sie das Gespräch nach festgelegten Kriterien aus, bevor Sie die nächste Person treffen. Ein Gesprächsleitfaden wird Ihnen helfen, Ihr Gespräch zu strukturieren.

  1. Begrüßung
    • „Guten Tag, Herr/Frau <Name>, danke dass Sie gekommen sind!“ – „Darf ich Ihnen den Mantel abnehmen?“
    • „Bitte nehmen Sie Platz. Möchten Sie etwas trinken?“
  2. Smalltalk
    • „Haben Sie leicht hergefunden?“
    • „Wie war die Anfahrt?“
  3. Einleitung
    • „Ihre Bewerbungsunterlagen haben uns gefallen. Wir möchten Sie gerne kennenlernen und auch Ihnen die Gelegenheit geben, uns etwas besser kennenzulernen.“
  4. Vorstellung des Unternehmens
    • „Was wissen Sie über unser Unternehmen?“
    • „Zur Orientierung möchte ich Ihnen nähere Informationen zu unserem Unternehmen geben.“
  5. Vorstellung des Bewerbers
    • „Erzählen Sie bitte etwas über sich.“
    • „In Ihrem Lebenslauf steht, dass …“
    • „Warum haben Sie sich bei uns beworben?“
    • „Welche beruflichen Ziele haben Sie?“
    • „Warum sollten wir Sie einstellen – nennen Sie mir drei Gründe!“
    • „Nennen Sie drei Ihrer Stärken und Schwächen.“
    • „Wie sind Ihre Lohnvorstellungen?“
  6. Bezugnahme auf Aufgabe und Anforderungsprofil
    • „Zur Aufgabe gehört die Gewinnung neuer Kunden. Wie würden Sie dabei vorgehen?“
    • „Wie organisieren Sie Ihren Arbeitstag?“
    • „Könnten Sie sich vorstellen, unser Unternehmen mit einer Kurzansprache an verschiedenen Fachtagungen zu vertreten?“
  7. Gesprächsabschluss
    • „Haben Sie noch Fragen? Was möchten Sie noch gerne wissen?“
    • „Frau/Herr …, zunächst einmal vielen Dank für dieses Gespräch. Sie hören von uns bis spätestens am …“
    • „Danke für das interessante Gespräch. Danke, dass Sie gekommen sind.“

Praxis-Tipp


Tabu sind folgende Fragen:

  • Partei- oder Gewerkschaftszugehörigkeit
  • Heirat, Kinderwunsch, Schwangerschaft
  • Religionszugehörigkeit
  • Vorstrafen
  • Vermögensverhältnisse
  • geschlechtliche Orientierung
  • Drogenkonsum

Praxis-Tipp


Auslagenentschädigung

Vergessen Sie nicht, den Bewerber nach seinen Auslagen zu fragen. Bei Interviewterminen ist der Arbeitgeber verpflichtet, die Verkehrsauslagen und allenfalls auch Verpflegungskosten des Bewerbers zu übernehmen. Es sei denn, Sie haben in Ihrer Einladung ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Auslagen nicht zurückerstattet werden.

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