Berechtigt oder unberechtigt: Wie gehen Sie mit Kritik um?

Kritikfähigkeit ist ein wichtiger „Soft Skill“. Wer mit berechtigter und unberechtigter Kritik aktiv umgehen kann, fördert seine Karriere auf vielfältige Weise. Das Schöne daran: Kritikfähigkeit lässt sich trainieren.

Kritisiert zu werden ist unangenehm. Außerdem steckt in Kritik von Kollegen oder Vorgesetzten immer auch Konfliktpotenzial. Als Kritisierte geraten wir zunächst in eine Verteidigungshaltung, das ist von Natur aus in uns angelegt: Wir entscheiden in Sekundenschnelle über Gegenangriff oder Flucht. Doch da unprofessioneller Umgang mit Kritik dem eigenen Ansehen – und damit der Karriere – schadet, gilt: Atmen Sie erst einmal tief durch, das mindert den angeborenen Impuls zu reagieren.

Definition „Kritik“
Im 17. Jahrhundert kam der französische Begriff „critique“ in den deutschen Sprachraum und wurde zunächst nur in der Literaturtheorie gebraucht. Als Kommunikation über Probleme ist Kritik eine unverzichtbare Voraussetzung dafür, dass diese behoben werden können.

Nie persönlich nehmen!

Wenn Sie Kritik als das sehen, was sie eigentlich ist – die Kommunikation über Probleme – nehmen Sie der Situation die emotionale Schärfe. Auf sachlicher Ebene können Sie Kritik nicht nur besser „wegstecken“, sondern sogar als Instrument gebrauchen. Kritik als Hilfe, um etwas zu verbessern, sollte nicht nur konstruktiv formuliert, sondern von Ihnen als Empfänger auch konstruktiv angenommen werden.

Fünf-Punkte-Plan: Wie Kritik begegnen?

1. Begrüßen Sie Kritik
Eine innerliche Abwehrstellung lässt uns nie gut aussehen. Nehmen Sie ein Feedback daher zunächst als „Geschenk“ entgegen und rechtfertigen Sie sich nicht! Ein schlichtes „Ja, bitte sagen Sie mir, was Sie darüber denken!“ genügt und hilft dem Kritiker sein Anliegen neutraler hervorzubringen. Erst später entscheiden Sie, was Sie davon annehmen.

2. Finden Sie alle Botschaften
Jede Kritik enthält eine Gefühls- und eine Inhaltsebene. Die Inhaltsebene teilt sich bei der Kritik wiederum in eine Darstellung des Problems und in einen Verbesserungsvorschlag. Da nicht jeder konstruktiv kritisiert, ist es wichtig, selbst aus einem flapsigen „Sie gehen immer so früh nach Hause!“ die einzelnen Botschaften herauszufiltern.

  • Hören Sie aktiv zu! Will der Kollege Sie auffordern, länger zu bleiben? Findet er die Aufgabenverteilung ungerecht? Kritisiert er eigentlich nicht Sie, sondern den Chef, der ihn überlastet?
  • Geben Sie eine Zusammenfassung auf zwei Ebenen zurück, zum Beispiel: „Es ärgert Sie (Gefühl), dass ich nicht wie Sie zehn Stunden im Büro bleibe (Inhalt)?“
  • Finden Sie die Darstellung des Problems und den Verbesserungsvorschlag heraus mit Fragen, wie „Was meinen Sie mit ‚immer so früh’?“ und „Was sollte Ihrer Meinung nach besser werden?“

3. Schenken Sie Wertschätzung
Bedanken Sie sich für die Einschätzung Ihres Kollegen oder Vorgesetzten. Ein nett ausgesprochenes „Vielen Dank für Ihre Rückmeldung, jetzt weiß ich, wie Sie dies beurteilen“ nimmt die emotionale Spannung aus der Situation, denn meist ist der Kritisierende ebenso angespannt wie Sie.

4. Wägen Sie in Ruhe ab
Anschließend überlegen Sie für sich allein, was Sie von der Kritik verwenden können und was nicht. Dieser Schritt ist besonders wichtig: Erst abwägen (evaluieren), dann entscheiden! Vielleicht reicht nach einem kritischen „Ihre Tabellen sehen so leer aus!“ schon eine Umstellung des Designs statt dem Sammeln zusätzlicher Daten?

5. Reagieren Sie
Erst jetzt entscheiden Sie, ob Sie die Kritik annehmen oder – auch das ist wichtig – sachlich von sich weisen. Im Beispiel von Punkt 4 könnte dies so aussehen, dass Sie grafisch geschulte Mitarbeiter um Rat fragen oder – noch besser – Sie schlagen ein passendes Seminar als Weiterbildungsmaßnahme für sich vor.

Unberechtigte Kritik

Weisen Sie unberechtigte Kritik zurück! Nehmen Sie unfaire Anschuldigungen niemals schweigend hin, wenn Sie nicht zum „Buhmann“ des Teams werden wollen. Schließlich gibt es auch Vorgänge, die nicht nur von Ihnen abhängen. Vielleicht hat ein Kollege eine Aufgabe zu spät weitergeleitet? Oder Sie wurden überhaupt nicht informiert? Auch das Offenlegen von Schwierigkeiten an anderen Schnittstellen zeigt Ihre soziale Kompetenz, Ihr Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen!

Holen Sie sich Kritik!

Statt abzuwarten, können Sie Kritik auch aktiv einfordern. Mit diesem geschickten Schachzug aus der Gesprächskunst vermeiden Sie, dass sich aufgestaute „Gewitter“ irgendwann bei Ihnen abladen: Fordern Sie dazu von Ihrem Vorgesetzten oder Mitarbeitern regelmäßige Kritik in Form von Feedback ein. Damit beugen Sie nicht nur schwelenden Konflikten vor, sondern Sie wissen auch rechtzeitig, woran Sie sind und können bereits bei kleinen Unzufriedenheiten gegensteuern.


Die Autorin: Manuela Krämer M.A. (federkunst-texte.de) ist Texterin, Autorin und Redakteurin.

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