Alles rund um 360-Grad-Bewertungen

Haben Sie Ihrem Vorgesetzten schon einmal Rückmeldung gegeben, wie Sie seine Kompetenzen und Leistungen sehen und beurteilen? Eine Methode ist die 360-Grad-Beurteilung, die anonym und schriftlich erfolgt.

Das Entscheidende daran ist, dass es statt einem Feedbackgeber mehrere (z. B. Vorgesetzte, Kollegen, Mitarbeiter, Kunden oder Lieferanten) gibt, die die betreffende Person aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Die Vorteile:

  • Die entsprechende Person kann in unterschiedlich erlebten Situationen und Kontexten bewertet werden.
  • Die Feedback gebenden Personen können spezifische Kompetenz- und Verhaltenseindrücke schildern, sodass ein umfassenderes Bild entsteht.

Die 360-Grad-Beurteilung ist somit eine Rundum-Beurteilung und wird auch „Multi-Source-Feedback“ genannt. Ziel ist es, dass die jeweilige Führungskraft eine möglichst objektive Rückmeldung erhält über ihre …

  • Fähigkeiten,
  • Stärken und
  • Schwächen.

Aufgrund dessen werden anschließend gegebenenfalls weitere Maßnahmen zur Kompetenz- und Leistungsverbesserung erarbeitet.

Erkennen Sie das Pro und Kontra

Zu einem erfolgreichen Arbeitsteam gehört es, dass sich der Vorgesetzte und die Assistenz generell regelmäßig gegenseitig Feedback zu Ihrem Verhalten und Auftreten geben. Dazulernen ist schließlich ohne positive und negative Rückmeldung nicht möglich!

Werden Sie (zusätzlich) zur Teilnahme an einer 360-Grad-Beurteilung eingeladen, dann machen Sie sich zunächst bewusst, dass …

  • dieses von gegenseitigem Respekt geprägt und
  • für beide Seiten – Feedbacknehmer und -geber – ein gewinnbringender Lernprozess sein soll.

Mit anderen Worten: Das 360-Grad- Feedback gibt Ihnen die Möglichkeit, sich anonym sehr kritisch über Ihren Vorgesetzten zu äußern. Es kommen dadurch unter Umständen auch „endlich die Probleme auf den Tisch“, die Sie seit Langem drücken. Wenn Sie sich aber durchweg negativ äußern, kann dies letztlich die Atmosphäre mehr belasten als verbessern.

Nach der Auswertung der Rundum- Beurteilung sollten Sie und Ihre Kollegen auf jeden Fall spüren, dass Ihr Vorgesetzter die Beurteilung reflektiert. Optimal ist es, wenn er offen dazu Stellung nimmt und kommuniziert, mit welchen Maßnahmen er die angesprochenen Defizite verbessern möchte.

Übersicht: Beurteilungsthemen

Im Folgenden finden Sie gedankliche Anregungen, die Sie bei der Beurteilung Ihres Chefs mit in Ihre Überlegungen einbeziehen können:

  • Vorbildfunktion: Ist Ihr Vorgesetzter für Sie in jeder Hinsicht in seiner Führungsrolle Vorbild? Betrachten Sie dabei die fachliche sowie die soziale Kompetenz.
  • Loyalität: Spüren Sie seine Loyalität gegenüber Ihrer Person auch, wenn Sie einen Fehler gemacht haben – oder sich einmal zu weit „aus dem Fenster gelehnt“ haben? Schafft er ein positives Image von Ihnen und Ihrem Zweierteam bei anderen Mitarbeitern?
  • Motivation: Motiviert er Sie, sich zu engagieren? Schafft er es, Sie für das Unternehmen sowie seine Produkte oder Dienstleistungen zu begeistern?
  • Potenziale erkennen und fördern: Gibt er Ihnen Aufgaben, die Ihren Potenzialen entsprechen und fördert er Sie mit entsprechenden Weiterbildungsmöglichkeiten? Unterstützt er Sie dabei, Ihre Potenziale zu nutzen?
  • Delegationsvermögen: Delegiert er Aufgaben, indem er auch die Verantwortung delegiert?
  • Entscheidungsfreudigkeit: Trifft er rechtzeitig Entscheidungen und kommuniziert er diese ans Team?
  • Wertschätzung und Feedback: Lässt er Sie spüren, dass Sie eine wertvolle Mitarbeiterin sind?
  • Ziele kommunizieren: Kennen Sie nicht nur die Unternehmensziele, sondern auch seine eigenen, bei deren Erreichung Sie ihn unterstützen sollen?

Die Autorin: Irmtraud Schmitt ist Fachautorin und Trainerin. 

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